29.–31.05.2026 – Göttingen

7. Göttingen-Thorner Gespräche

Das 1. Göttingen-Thorner Seminar fand im Oktober 2019 statt. Seitdem hat sich die von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und der Polnisch-Deutschen Gesellschaft ergriffene Initiative zu einer festen Plattform für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Bürgergesellschaften beider Länder entwickelt. Die Veranstaltung findet abwechselnd in Toruń und Göttingen statt und zieht von Jahr zu Jahr ein immer breiteres Publikum aus Politik, Wissenschaft, Medien und Kultur an. 

Die diesjährige Ausgabe widmet sich einem Thema, das unsere Gesellschaften immer stärker prägt: Desinformation und Verschwörungsnarrative.  

Im Internet, in sozialen Medien und in politischen Debatten verbreiten sich zunehmend irreführende Informationen und vereinfachende Erzählungen. Manche entstehen spontan aus gesellschaftlichen Konflikten heraus, andere werden gezielt gesteuert, um Vertrauen zu untergraben, Gesellschaften zu polarisieren oder internationale Beziehungen zu beeinflussen. 

Das Seminar möchte gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Deutschland und Polen folgenden Fragen nachgehen: 

  • Wie lassen sich Desinformation und Verschwörungsnarrative erkennen? 
  • Welche Strategien und Akteure stehen dahinter? 
  • Welche Rolle spielen Medien, soziale Netzwerke und politische Kommunikation? 
  • Wie kann Zivilgesellschaft darauf reagieren und demokratische Resilienz stärken? 

Die Göttingen-Thorner Gespräche sind jedoch nicht nur eine Debattenplattform, sondern auch ein Raum für Kunst und informelle Begegnungen. Zum Programm gehören auch ein Konzert, eine Autorenlesung und eine Filmvorführung, die zeigen, wie Kultur gesellschaftliches Engagement inspirieren kann. 

Anmeldung: mail@dpg-goettingen.de


Freitag, 26.06.2026, 19:00 – 20:30 Uhr – Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Podiumsdiskussion / Buchvorstellung

„Rasender Stillstand – Belarus, eine Revolution und die Folgen“

Vor fünf Jahren legte die belarusische Zivilgesellschaft ihr demokratisches Gesellenstück vor: Millionen gingen 2020 gegen das absurde System des Diktators Lukaschenko auf die Straße. Der antwortete mit brutaler Repression. Welche Auswirkungen hat die Repression durch das Regime heute auf die Gesellschaft? Wie sehen Alltag und Atmosphäre in Belarus mit seinen vielen Tausenden politischen Gefangenen aus? Was treibt die Unterstützer des Regimes? Und die Führung der Opposition im Exil? Welche Szenarien für einen Wandel sind überhaupt denkbar?

Diesen Fragen geht Ingo Petz in seiner Flugschrift „Rasender Stillstand – Belarus, eine Revolution und ihre Folgen“ nach, die beim Berliner Verlag edition.fotoTAPETA erschienen ist.

Wir laden herzlich ein zur Buchvorstellung mit anschließender Diskussion über die Perspektiven von Belarus und die Zukunft der belarusischen Demokratiebewegung.

Über das Buch schrieb Othmara Glas in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

„Rasender Stillstand“ profitiert von Petz’ jahrelanger Erfahrung mit Belarus. Es ist ein wichtiges Buch, in einer Zeit, in der die belarussische Gesellschaft in Vergessenheit zu geraten droht. Petz warnt vor einem „sich zusehends schließenden Eisernen Vorhang“, von dem vor allem Russland profitieren würde.“

Und Alice Bota schrieb in der ZEIT:

„Ingo Petz ist der wohl beste Belarus-Kenner im deutschsprachigen Raum.“

Diskussionsteilnehmer*innen

Ingo Petz
Ingo Petz ist Leiter und Mitgründer des Belarus-Projektes sowie Gesellschafter bei der gemeinnützigen Plattform dekoder.org – einem mehrfach ausgezeichneten online-Medium, das vertieftes Wissen zu Russland, zu Belarus und auch zur Ukraine liefert.
Als Journalist und Autor beschäftigt sich Petz seit fast 30 Jahren mit Osteuropa und vor allem Belarus. Seine Analysen, Reportagen oder Essays sind in renommierten Zeitungen, Zeitschriften und bei vielen anderen Medien erschienen. Neben seiner journalistischen Tätigkeit hat er zahlreiche Kulturprojekte mit belarussischen Partnern initiiert, er ist Mitgründer des Demokratisierungsprojektes „Fankurve Ost – Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft“ und er hat Journalismus an belarussischen und ukrainischen Bildungseinrichtungen unterrichtet.
Petz hat Osteuropäische Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft in Köln und Russland studiert. Im Frühjahr 2025 erschien sein Buch „Rasender Stillstand: Belarus – eine Revolution und ihre Folgen“ beim Berliner Verlag edition.fotoTAPETA.

Ina Valitskaya
Ina Valitskaya engagiert sich in der belarusischen Gemeinschaft RAZAM e.V., der ersten und größten bundesweiten Interessenvertretung von in Deutschland lebenden Menschen aus Belarus. Von Februar 2023 bis Februar 2025 war sie Beisitzerin im erweiterten Vorstand der Vereinigung mit dem Schwerpunkt Förderung belarusischer Kultur und Sprache. Als regionale Ansprechpartnerin für Bayern konzipiert und organisiert sie Veranstaltungen für die belarusische Diaspora sowie für ein an Belarus interessiertes Publikum. Zu ihren Projekten zählt das jährliche Festival der unabhängigen belarusischen Kultur „Minsk x Minga“ in München.

Moderation:
Klaudia Hanisch
Politikwissenschaftlerin und Expertin für Ostmitteleuropa, Co-Vorsitzende des Landesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Niedersachsen und stellv. Vorsitzende der DPG Göttingen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dekoder.org statt.

Der Eintritt ist frei.



Montag, 29.06.2026, 19:00 – 20:30 Uhr – Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Podiumsdiskussion zum Thema Zweiter Weltkrieg im deutschen Geschichtsunterricht

„Was wissen wir? Deutsche Erinnerung – polnische Erfahrung“

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Göttingen und die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission laden herzlich ein zu einer Podiumsdiskussion anlässlich des 35. Jahrestags des Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Wie erzählen deutsche Schulbücher von der Besatzung Polens – und welche Geschichten bleiben dabei unerzählt? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Abends, an dem wir gemeinsam darüber nachdenken wollen, was Bildung für die Zukunft des deutsch-polnischen Dialogs bedeuten kann.

Den Auftakt bildet ein Impulsvortrag von Dr. Verena Laubinger, Historikerin und Sprecherin des Lehrkräfte-Arbeitskreises an der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission. Ihre kürzlich erschienene Studie fragt, wie deutsche Schulbücher über die Besatzung Polens erzählen – und wessen Geschichten dabei sichtbar werden. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die Zwangsarbeit leisten mussten, Formen des polnischen Widerstands sowie das kulturelle Leben, das Fotografien und Tagebücher aus jener Zeit festgehalten haben. Der Vortrag lädt dazu ein, neu darüber nachzudenken, welche Perspektiven unsere Bildungsmedien vermitteln – und welche Möglichkeiten darin liegen, Geschichte gemeinsam zu erzählen.

Anschließend diskutieren auf dem Podium:

  • Astrid Taleghani, Fachberaterin Geschichte, Regionales Landesamt für Schule und Bildung Braunschweig
  • Dr. Verena Laubinger, Historikerin, Präsidiumsmitglied der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission
  • Lukas Trümner, Student, Master of Education

Moderation: Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg, Co-Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission

Die Diskussion bietet Raum, um gemeinsam zu erkunden, wie Bildungsmedien den deutsch-polnischen Dialog bereichern können – und welche neuen Impulse für Schule und Gesellschaft daraus entstehen können. Wie können wir die Vergangenheit so erzählen, dass sie Brücken baut statt Gräben vertieft?

Begrüßung: Harm Adam, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen Grußwort: Aleksandra Krystek-Biernacka, Generalkonsulin der Republik Polen in Hamburg

in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission und dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg.

Der Eintritt ist frei.