Rundbrief 1. Halbjahr 2026 mit Einladung zur Mitgliederversammlung

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der Göttinger DPG,

in einem schwierigen Umfeld – mit dem andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, innenpolitischen Konflikten in Polen und grundlegenden Debatten über die Zukunft der Europäischen Union – haben wir 2025 unsere Rolle als Akteur politischer Bildung, kultureller Vermittlung und zivilgesellschaftlicher Vernetzung gefestigt.

Im Rahmen der Rundbriefe können wir leider nicht alle Aktivitäten detailliert ankündigen. Des vierten Jahrestages der russischen Vollinvasion in die Ukraine werden wir z.B. am Sonntag, den 22. Februar 2026, in einer Kundgebung eines Bündnisses zivilgesellschaftlicher Organisationen gedenken, ohne dass es jetzt schon einen Ablaufplan gibt (wir werden voraussichtlich um 17.45 Uhr nach vorherigem Friedensgebet und Schweigemarsch mit der Kundgebung am Gänseliesel starten). Deshalb ist es so wichtig, von möglichst allen über eine solche verfügenden Mitgliedern die Mailadresse zu bekommen.

1.            Filmkooperationen mit dem Museum Friedland am 05.02. und 26.02.2026

Im ersten Quartal eines Jahres können wir seit zwei Jahren keine Projektmittel mehr zur Co-Finanzierung unserer Aktivitäten aus dem Projekt „Autorenlesungen“ einsetzen. Daher sind wir dem Team des Museums Fried-land für zwei Kooperationen mit Filmen des Autorenteams Roland Remus, Sabine Langer und Thomas Knüppel sehr dankbar:

a)            Am Donnerstag, den 5. Februar 2026, wird um 18.30 Uhr im Museumsfoyer (Bahnhofstraße 2, Fried-land) der Film „Zuflucht – Zuversicht – Zukunft| 12 Kriegskinder erzählen“ gezeigt. Im Anschluss bieten wir ein Gespräch mit dem Autorenteam und einer Protagonistin oder einem Protagonisten des Films an.

Der Film erzählt die Geschichte des niedersächsischen Dorfes Essenrode und der dort lebenden Menschen. In das Dorf kamen mit Ende des Krieges 1945 Flüchtlinge und Vertriebene, aus Pommern, West- und Ost-preußen, Schlesien, dem Sudeten- und Wartheland, dem Baltikum, Bessarabien, Galizien und anderen Regionen der ehemaligen Ostgebiete. In den Folgejahren flohen dann auch Menschen aus dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands und später aus der DDR nach Essenrode. Die Zeitzeuginnen und -zeugen, die Generation der Kriegskinder, lassen uns an ihren Herausforderungen, aber insbesondere auch daran teilhaben, wie es ihnen gelungen ist, mit Zuversicht ihre eigene Zukunft und die des Dorfes in die Hand zu nehmen.

b)           Am Donnerstag, den 26. Februar 2026, 19 Uhr, wird im Göttinger Kino Méliès (Bürgerstraße 13) „Die Kraft des Erinnerns“ angeboten.

1945 endete der Zweite Weltkrieg und hinterließ unsägliches Leid und tiefe Wunden. Bis heute sind die Auswirkungen dieses Krieges spürbar, sie belasten nachfolgende Generationen und beeinflussen ihren All-tag. Der Dokumentarfilm „Die Kraft des Erinnerns“ widmet sich den nach dem Krieg geborenen Generationen und den langen Schatten der Vergangenheit. Er veranschaulicht, wie das Erleben und Handeln von Eltern und Großeltern das Leben ihrer Kinder und Enkel prägt – obwohl diese den Krieg selbst nicht erlebt haben. Sechs Protagonistinnen und Protagonisten laden auf eine emotionale Reise in ihre Familiengeschichte ein. Dabei werden das Handeln und Erleben ihrer Eltern und Großeltern im und nach dem Zweiten Welt-krieg sowie die daraus entstandenen Familiennarrative beleuchtet. Ihre sehr persönlichen Geschichten zeigen, wie sie ihren Weg des Erinnerns von Vergangenem gestalten und wie es möglich ist, Familiennarrative umzuschreiben sowie übernommene Verhaltensmuster zu überwinden. Der Film beleuchtet die Weitergabe von Traumata an nachfolgende Generationen und deren Auswirkungen.

Im Anschluss führen wir ein Gespräch mit dem Autorenteam und einer Protagonistin oder einem Protagonisten. Der Eintritt ist auch hier frei. Es bietet sich an, für die Aufführung im Kino Méliès Karten vorab zu sichern.

2.            Mitgliederversammlung am Freitag, den 27. Februar 2026, 19 Uhr, Robert-Koch-Straße 2, 37075 Göttingen

Zu unserer Mitgliederversammlung (Jahreshauptversammlung) laden wir auf Freitag, den 27. Februar 2026, 19 Uhr, in die Bibliothek der Kanzlei Menge Noack Rechtsanwälte, Robert-Koch-Straße 2, 37075 Göttingen, ein.

Die Tagesordnung schlagen wir wie folgt vor:

1.   Eröffnung und Begrüßung sowie Feststellen der Beschlussfähigkeit

2.   Genehmigung der Tagesordnung und Wahl eines Protokollführers sowie Wahl eines Versammlungsleiters für die

      Tagesordnungspunkte 8. und 9. a).

3.   Mitgliederentwicklung und Begrüßung neuer Mitglieder

4.   Bericht des Vorsitzenden

5.   Bericht des Schatzmeisters

6.   Aussprache zu den Berichten

7.   Bericht der Kassenprüfer

8.   Entlastung des Vorstandes

9.   Wahlen zum Vorstand

a) Wahl einer/eines Vorsitzenden

                               b) Festlegung der Zahl und Wahl von bis zu drei stellvertretenden Vorsitzenden

                               c) Wahl einer/eines Schatzmeisterin/-s

                               d) Beschlussfassung über die Zahl und Wahl von Beisitzerinnen und Beisitzern

                               e) Wahl von zwei Kassenprüfern

10. Anträge (Antragsfrist: 20. Februar 2026, schriftlich an den Vorstand)

11. Ausblick auf die Jahresplanung 2026

12. Verschiedenes (Anfragen und Anregungen)

3.            Vortrag und Diskussion mit Jonas Kolecki „Der schmale Grat zwischen Freude und Frustration. Eine Analyse des deutschen Diskurses über einen speziellen Ort zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Polen“ am Dienstag, den 10. März 2026, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Unser Referent schrieb noch im November: „Ein Sprichwort besagt: Gut gemeint ist nicht immer gleich gut ge-macht. So oder so ähnlich könnte man die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses vom 30.10.2020 zusammen-fassen, der einen eigenen Gedenkort für die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Polen postulierte. Schon die Formulierung „polnische Opfer“ oder „Opfer in Polen“ ist bis heute Gegenstand leidenschaftlicher Debatten. Auch die Form des Erinnerns war und ist nicht weniger emotional umkämpft worden. Baut man ein Denkmal? Ein Museum? Oder ganz etwas anderes? Die Frage, wie man die Resolution des Bundestages von 2020 zum Er-schaffen eines „Ortes des Erinnerns und der Begegnung“ deuten soll, erhitzt bis heute die Gemüter in der deutsch-polnischen Community. Kaum jemand scheint zufriedenzustellen zu sein, Ende 2024 war die Frustration groß, man sprach von Stillstand. Anfang 2025 drohte die polnische Seite gar wieder mit der erneuten Thematisierung von Reparationszahlungen, wenn sich nicht langsam etwas tue. In der Tageszeitung „Die Welt“ titelte man im Januar 2025 „Das Problemdenkmal.“ Was ist hier schiefgelaufen? Gab es den 2020 angeblich gefundenen Kompromiss, den Rolf Nikel in seinem Buch „Feinde Fremde Freunde: Polen und die Deutschen“ (2023) sieht, überhaupt jemals? 

Nachdem die Realisierung eines Denkmals oder sonstigen Zeichens des Erinnerns am Platz der ehemaligen Kroll-Oper gegenüber dem Reichstagsgebäude durch die Einweihung eines temporären Gedenksteins im Juni 2025 einen großen Schritt nähergekommen ist, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis weitere konkrete Schritte folgen.“ Zumindest werden diese in Gestalt eines Architektenwettbewerbes in einer Entschließung des Bundestages vom 3. Dezember 2025 gefordert. Parallel zur Festlegung des Gedenkortes auf dem Gelände der Kroll-Oper hat der Bundestag das Thema der Schaffung eines Deutsch-Polnischen Haus benannt und fordert dessen Voraussetzungen durch den Erwerb einer Bestandsimmobilie in Berlin zu schaffen, damit ein „Ort der historischen Aufklärung und Begegnung sowie als Zukunftslabor für die Zivilgesellschaften in Deutschland und Polen“ realisiert werden kann.

Sind nun alle zufrieden? Was ist hier schiefgelaufen? Hätte man die Frustrationen verhindern können? Spannende Fragen an Jonas Kolecki (geb. 1999 in Göttingen), der im Master Osteuropäische Kulturstudien an der Universität Potsdam und der Universität Warschau studiert. Sein Schwerpunkt sind die deutsch-polnischen Be-ziehungen sowie die polnische Außen- und Sicherheitspolitik. Seine Bachelorarbeit schrieb er 2023 über den Konflikt innerhalb der polnischen Regierungen um die Europapolitik zwischen 2015 und 2023. Er ist seit 2017 Mitglied der DPG-Göttingen und aktiv im deutsch-polnischen Kontext

4.            Vorstellung „Literarischer Reiseführer „Galizien. Unterwegs in Polen und der Ukraine“ von Marcin Wiatr am Montag, den 13. April 2026, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Galizien ist fester Bestandteil des Habsburgermythos und Inbegriff weltverlorener Abgeschiedenheit, ostjüdischer Kulturtraditionen, kakanischer Lebensart und unbeschreiblicher Armut. Auch wenn es das supranationale Gebilde namens Habsburgermonarchie, zu dem Galizien zwischen 1772 und 1918 gehörte, nicht mehr gibt, lebt Galizien in der Literatur fort.

Das Buch „Literarischer Reiseführer Galizien. Unterwegs in Polen und der Ukraine führt an Orte europäischer Geschichte im Südosten Polens und im Westen der Ukraine. Die Streifzüge durch die naturräumliche, künstlerische und literarische Landschaft Galiziens von Krakau über Tarnow bis nach Brody sowie von Lemberg über Drohobytsch, Stanislau/Iwano-Frankiwsk und Boryslau bis nach Zakopane sind mit Karten und Bildern versehen. Der Historiker und Germanist Marcin Wiatr ruft uns mit seinem Buch ins Bewusstsein, dass Galizien historische Lektionen bereithält, die uns alle in Europa angehen. Seine Buchpräsentation wird von Ariane Afsari, Mitarbeiterin des „Deutsches Kulturforum östliches Europa“, moderiert.

5.            Vortrag und Lesung „Polen in Augenblicken“ mit dem DIALOG-Preisträger Dr. Matthias Kneip am Donnerstag, den 23. April 2026, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache

Sein Buch „Polen in Augenblicken. Poetische Miniaturen.“ hat uns Matthias Kneip bereits einmal in einer Lesung mit Bildern vorgestellt. Wir haben aber noch Stoff für viele weitere Lesungen mit einer poetischen Hom-mage an unser östliches Nachbarland, in der Kneip ebenso einfühlsam wie hintergründig unterschiedlichen Facetten nachspürt. Abseits von Daten und Fakten reflektiert er in Bildern und kurzen, kunstvollen Texten Orte, Begebenheiten und Momentaufnahmen. So reist er mit dem Riesenrad durch die Geschichte Danzigs, hinter-fragt das Grün im Stadtbild polnischer Großstädte und nimmt Platz auf dem Krakauer Marktplatz, um den Au-genblick in Worten zu fixieren. Ein tiefsinniges Buch, das die Realität und den poetischen Charme des Landes auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet.

Matthias Kneip studierte Germanistik, Ostslawistik und Politologie an der Universität Regensburg. Seit 2000 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt tätig, darüber hinaus arbeitet er auch als Schriftsteller, Publizist und Polenreferent. Für sein Schaffen erhielt Kneip zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2011 den Kulturpreis Schlesien und 2012 das Verdienstkreuz der Republik Polen, zuletzt 2025 den DIALOG-Preis. Eine Schulveranstaltung ist für den Folgetag geplant.

6.            „7. Göttingen-Thorner Gespräche“ vom 29. bis 31. Mai 2026 in Göttingen

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für unsere siebte Veranstaltungskooperation mit der Thorner Polnisch-Deutschen Gesellschaft bereits auf Hochtouren. Inhaltlich wollen wir uns in 2026 mit dem Thema „Desinformation und Verschwörungsnarrative“ in verschiedenster Hinsicht befassen. Zu unserer Auftaktveranstaltung am Freitag, den 29. Mai 2026, 18 Uhr, im Alten Rathaus in Göttingen erwarten wir u.a. mit Jan Tombiński den „Geschäftsträger ad interim“ d.h. Botschafter der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland und mit dem Bundestagsabgeordneten Knut Abraham den Koordinator für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit. Am Samstag werden wir mit Expertinnen und Experten wie z.B. dem bei uns mittlerweile durch Veranstaltungen der Europa-Union bekannten Schriftsteller und Publizisten Marko Martin über Desinformationskampagnen diskutieren und uns mit Fragen der politischen Bildung, insbesondere Angeboten für die junge Generation, auseinandersetzen. Ein Kulturangebot rundet das Programm ab.

Für Interessierte aus unseren Reihen, die am Programm vom Samstag inklusive der Mahlzeiten teilnehmen wollen, fällt ein kleiner Kostenbeitrag an, der niemanden abschrecken sollte. Ihr Interesse können Sie schon jetzt dem Vorstand signalisieren.

7.            Podiumsdiskussion „Rasender Stillstand – Belarus, eine Revolution und die Folgen“ mit Ingo Petz und Vertreterinnen und Vertretern der belarusischen Diaspora am Freitag, den 26. Juni 2026, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache

Mit dem Journalisten und Autor Ingo Petz, der u.a. mit der Flugschrift „Rasender Stillstand – Belarus, ei-ne Revolution und die Folgen“ einen umfassenden Blick auf das nur scheinbar periphere Belarus vermittelt hat, sowie mit Angehörigen der politischen belarusischen Diaspora aus der Organisation Razem wollen wir die politische Lage in diesem osteuropäischen Land, das immer nur kurzzeitig in der Medienberichterstattung Erwähnung findet, besprechen.

Vor fünf Jahren legte die belarusische Zivilgesellschaft ihr demokratisches Gesellenstück vor: Millionen gingen 2020 gegen das System des Diktators Lukaschenko auf die Straße. Der antwortete mit brutaler Repression. Welche Auswirkungen hat die Repression auf die Gesellschaft? Wie sehen Alltag und Atmosphäre in Belarus mit seinen vielen Tausend politischen Gefangenen aus? Was treibt die Unterstützer des Regimes? Und die Führung der Opposition im Exil? Welche Szenarien für einen Wandel sind überhaupt denkbar?

Ingo Petz ist einer der besten Kenner der Geschichte, Kultur und Politik von Belarus. Er studierte Osteuropäische Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft in Köln und Russland. Beim online-Portal de-koder.org leitet er die Belarus-Redaktion, zudem hat er Journalismus an belarusischen und ukrainischen Einrichtungen unterrichtet. Er lebt und arbeitet in Berlin.

8.            Stipendienarbeit

Wir freuen uns riesig darüber, im kommenden Sommersemester sogar zwei Germanistik-Stipendiatinnen begrüßen zu können, nachdem wir in 2025 nur Medizin-Teilstipendien vergeben konnten. Mit Ihren Spendengeldern wird das alles möglich. Haben Sie herzlichen Dank!

Auf ein baldiges und möglichst zahlreiches Wiedersehen freut sich

Ihr

Harm Adam, Vorsitzender


Rundbrief 2. Halbjahr 2025

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der Göttinger DPG,

auf der Rückreise von den 6. Göttingen-Thorner-Gesprächen wurden die deutschen Teil-nehmerinnen und Teilnehmer mit stundenlangen Verzögerungen wegen der wechselsei-tigen Grenzkontrollen konfrontiert. Diese Kontrollen verursachten Staus, wirtschaftliche Verluste, gesellschaftliche Spannungen und verschwendete Sicherheitsressourcen. Über die Medien haben wir gefordert, offene Grenzen als eine der größten Errungenschaften der europäischen Einigung nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Das vorab.

Unser Terminkalender für das zweite Halbjahr 2025 ist randvoll mit interessanten öffentlichen Veranstaltungen, die Sie bitte in persönlichen Gesprächen im Freunde- und Bekanntenkreis bewerben wollen.

  1. Autorenlesung „Polnischer Abgang“ mit Mariusz Hoffmann am Donnerstag, den 4. September 2025, 19 Uhr, Foyer des Museum Friedland, Bahnhofstraße

Unser Autor gehört zu den interessanten jungen Stimmen in der deutschsprachigen Ge-genwartsliteratur. Sein Werk „Polnischer Abgang“ ist thematisch mit „Friedland“ ver-knüpft: “Salesche, ein Dorf in Polen 1990: Jarek Sobota und seine Eltern packen ihre Sachen. Sie wollen nach Deutschland, so wie Oma Agnieszka acht Jahre zuvor die Flucht angetreten hatte. Doch wovor war sie wirklich geflohen? Niemand will es dem 14-Jährigen sagen. Als Jarek ins Schlepperauto steigt, weiß er nur eins genau: Er wird nicht zurückkehren. Doch statt zu Agnieszka nach Hannover zu fahren, geht es für die Sobotas schnurstracks in die Aussiedlerlandestelle Hamm. Und auch nachdem sie die Aufnahme-bestätigung in Deutschland erhalten, rückt das Wiedersehen mit der Großmutter in immer weitere Ferne.“ Der Rezensent des Deutschlandfunks gab an, den so komischen wie wunderbar „schrägen“ und „wahrnehmungssatten“ Roman gern gelesen zu haben.

Der Autor Mariusz Hoffmann wurde 1986 in Polen geboren. Er studierte Philosophie in Hamburg und Literarisches Schreiben in Hildesheim, wo er Mitherausgeber einer Litera-turzeitschrift war. Zuletzt erhielt er 2022 das Arbeitsstipendium für deutschsprachige Literatur des Berliner Senats und 2023 das Alfred-Döblin-Stipendium. Wir kooperieren hier erneut mit dem Museum Friedland, das am Tag der insgesamt kostenfreien Veran-staltung bereits um 17.30 Uhr eine Führung durch das Museum anbietet.

  1. Autorenlesung Hans-Haiko Seifert zu seinem Roman „Joanna“ am Freitag, den 12. September 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Joanna ist ein Roman des Dresdner Autors Hans-Haiko Seifert, der sich nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit, zuletzt in der IT-Abteilung eines Energieversorgers, ganz dem Schreiben widmet. Er schildert in 67 Erzählungen, allesamt unter der Oberfläche miteinander verbunden und doch ist jede einzeln lesbar wie eine Geschichte, die Geschichte einer Liebe in Zeiten des Umbruchs. Hans-Haiko Seifert lässt sich auf bemerkenswerte Weise intensiv auf unser östliches Nachbarland ein. Marko Martin schreibt: „… der unaufdringliche Ton, gewitzt und melancholisch, manchmal mit Eichendorffscher Taugenichts-Fröhlichkeit, dann wieder ernst in Anbetracht der Vergangenheit und dem Fortwirken in die Gegenwart hinein, so dass ich mitunter an Andrzej Szczypiorski denken musste…“

Zum Inhalt: Georg flüchtet aus Ostdeutschland – allerdings nicht nach Westen, wohin alle Welt sich auf den Weg macht, sondern in Richtung Osten, nach Warschau, Hauptsache weg! Dort scheint es, als habe die Weltgeschichte nur darauf gewartet, ihn Zeuge ihrer Weichenstellungen werden zu lassen. Während sich Georg selbst vor allem für die polnische Cellostudentin Joanna interessiert, beginnt in Polen der Sommer des Aufbruchs 1980. Ein Glücksfall für Georg und Joanna, wäre da nicht ein Missverständnis, an dem die Weltgeschichte nicht ganz unschuldig ist und das für die beiden immer bedrohlicher wird.

  1. Autorenlesung und Gespräch mit Paul Bokowski zu seinem Roman „Schlesenburg“ am Donnerstag den 25. September 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwachse, Ritterplan 4, Göttingen

Auf dem Holtenser Berg, in Grone-Süd – auch Göttingen kennt sie: jene Blocksiedlungen mit langen Fluren und Familien, die aus den unterschiedlichsten Herkünften und Gründen zusammenkamen. In genau solch einer Umgebung spielt der Roman Schlesenburg von Paul Bokowski, eine fein beobachtete, mal komische, mal melancholische Erzählung über das Aufwachsen in einer migrantisch geprägten Siedlung am Rand der Stadt. 

„Schlesenburg“ erzählt von Flüchtlingen und ihren Hiergeborenen, von Heimweh und einer neuen Heimat. Ein so warmherziger wie bittersüßer Roman über den Traum von Anpassung und Wohlstand – und die Frage, wo man hingehört, wenn man nicht zu sagen weiß, wo man hergekommen ist. Paul Bokowski liest aus seinem Romandebüt und spricht im Anschluss mit dem Publikum über Heimweh, Zugehörigkeit und die Suche nach einer Heimat. 

Unser Gast wurde 1982 in Mainz geboren. Der Autor und Vorleser gehört seit vielen Jahren zur Speerspitze der deutschen Lesebühnenszene. Er ist Gründungsmitglied von PEN Berlin und der stadtbekannten Berliner Lesebühne »Fuchs & Söhne«. Im Herbst 2022 erschien sein autofiktionaler Roman »Schlesenburg« im btb Verlag. Paul Bokowski ist Verfasser des monatlichen literarischen Newsletters »Feine Auslese«. Er lebt und arbeitet in Berlin. 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Interkulturellen Woche 2025 statt. Zu unserem Bildungsanspruch passt, dass wir in Kooperation mit der überparteilichen Europa-Union den Mainzer Politologen Ingo Espenschied für den 7. Oktober 2025 an das Theodor-Heuss-Gymnasium zu dem Thema „75 Jahre Europa“ vermittelt haben.

  1. Landestagung am Samstag, den 18. Oktober 2025, ab 10.30 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Göttingen

Wir haben kurzfristig die organisatorische Ausrichtung der Landestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Niedersachsen e.V. zugesagt. Informationen folgen über den Mailverteiler bzw. auf Anfrage voraussichtlich Anfang September 2025.

  1. Vortrag und Diskussion mit dem Journalisten Jan Opielka zu „Polen heute“ am Dienstag, den 21. Oktober 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwachse, Ritterplan 4, Göttingen

Jan Opielka, geb. 1977 in Pyskowice/ Polen, ist Politikwissenschaftler und Anglist. Er arbeitet als freier Journalist seit 2005 für deutschsprachige Printmedien und Radiosender in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie für Pressetitel in Polen. Zudem ist der bei Gliwice/Gleiwitz lebende Gast Autor mehrerer Fachbücher. Mit ihm werden wir über die gesellschaftlichen Zerwürfnisse und die politische Lage in Polen nach den Präsidentschaftswahlen und der jüngsten Regierungsumbildung diskutieren.

  1. Zweisprachige Lesung mit Brygida und Justina Helbig: „Im Namen der Mutter und der Tochter“ am Donnerstag, den 6. November 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Göttingen

Die Migrationsliteratur hat sich längst von der Nische ins Herz der Gegenwartsliteratur vorgearbeitet – sie prägt den Diskurs, füllt Bestsellerlisten und eröffnet neue Perspektiven auf das Leben zwischen den Kulturen. Die Neuerscheinung „W imię matki i córki / Im Namen der Mutter und der Tochter“ fügt sich kraftvoll in diese literarische Bewegung ein – und sprengt zugleich deren Grenzen. Denn dieses Werk kreist nicht nur um das Thema Emigration, sondern verhandelt universelle Fragen: die fragile Beziehung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern, das Schreiben als Form der Selbstheilung, den inneren Zwang zur Selbstoptimierung – und die heilsame Macht des Innehaltens inmitten einer getriebenen Welt.

Die Autorin Brygida Helbig und ihre Tochter, die Psychologin und Literatin Justina Helbig, lesen aus ihrem gemeinsamen Buch – einer ebenso humorvollen wie tiefgründigen Mutter-Tochter-Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen zwischen einem Berlin im Ausnahmezustand der Pandemie, dem Herkunftsland Polen und dem Versuch, alte Rollenmuster zu durchbrechen und neue Wege der Selbstverwirklichung zu finden. Während der Lesung werden Polnisch und Deutsch dabei ineinander fließen – und schaffen einen Raum für Nähe, Austausch und generationsübergreifende Perspektiven.

Brygida Helbig, geboren in Szczecin (Polen), ist Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Podcasterin. Sie promovierte an der Ruhr-Universität Bochum, habilitierte sich an der Humboldt-Universität zu Berlin, war Professorin an der Universität Poznań sowie Leiterin der Geschäftsstelle Polonia (Biuro Polonii) in Berlin. Ihre Romane und Essays – u. a. Niebko, Enerdowce i inne ludzie, Inna od siebie – wurden mehrfach ausgezeichnet und u. a. für den renommierten polnischen Nike-Preis nominiert. Sie lebt in Deutschland und ist momentan als Stipendiatin des Deutschen Kulturforums Östliches Europa Stadtschreiberin von Stettin.

Justina Helbig, geboren im Ruhrgebiet, studierte Psychologie in Großbritannien. Sie ist Coachin für Familien- und Paarbeziehungen. Sie lebt in Deutschland und bietet unter anderem psychologische Beratung im Rahmen der Geschäftsstelle der Polonia (online) an. „W imię matki i córki“ ist ihr literarisches Debüt als Buchautorin.

  1. Verleihung des 29. Samuel-Bogumił-Linde-Preises am 15. November 2025 in Göttingen und Gemeinsamer Bundeskongress vom 21.-23. November 2025 in Bremen

Anspruch des Samuel-Bogumił-Linde-Preises der Partnerstädte Göttingen und Toruń/Thorn ist es, Autorinnen und Autoren zu ehren, deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemein-samen Gespräch führen. Am 15. November 2025 wird der Preis um 18 Uhr im Deutschen Theater an den deutschen Literaten Daniel Kehlmann und den polnische Schriftsteller Jacek Dehnel verliehen. Im übrigen wird der gemeinsame Bundeskongress des Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e.V. und des Landesverbandes der Polnisch-Deutschen Gesellschaften zu „Nachbarschaft in der Mitte Europas“ vom 21. bis 23. November 2025 in Bremen stattfinden. Interessierte informieren sich auf www.dpg-bv.de oder bei mir ab ca. Mitte September 2025.

  1. Autorenlesung mit Ulrike Draesner, Trägerin des Kulturpreises Schlesien 2025, zu „Die Verwandelten“ am Donnerstag, den 27 November 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, 37073 Göttingen

Am 20. September 2025 wird unserer Autorin der Kulturpreis Schlesien im schlesischen Wałbrzych / Waldenburg verliehen (Interessierte an Einladungen ab 2026 melden sich bitte). Im Vorjahr befand die Jury des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung: „Ulrike Draesners Werke halten – mit hochentwickeltem Sprachbewusstsein – literarische Signale politischer Vorgänge in Zeitenwenden fest; sie bezeugen dadurch die verwandelnde Kraft der Literatur.“

Mitreißend und ergreifend schreibt Ulrike Draesner in ihrem Roman „Die Verwandelten“ über Frauen und Krieg, unterdrückte Erinnerungen und die Folgen des Schweigens: Eine nationalsozialistische Vorzeigemutter, die anderen beibringt, wie Kinder zu erziehen sind, doch über das Wichtigste, was sie verloren hat, niemals spricht. Eine Köchin, die lieber Frauen geliebt hätte als den Dienstherrn, unterwegs durch das zerstörte Deutschland im Sommer 1945. Ein Mädchen in München Solln, geboren in einem Lebensbornheim der SS. Eine alleinerziehende Anwältin von heute, die nach dem Tod ihrer Mutter unverhofft eine Wohnung in Wrocław erbt – und einen polnischen Zweig der Familie entdeckt. Alle Figuren verbindet ein Jahrhundert von Krieg und Nachkrieg, Flucht und Vertreibung, von Gewalt. Was bedeutet es, in einem Staat zu leben, der Menschenzucht betreibt? Und wie darüber schreiben, was den Frauen im Krieg geschieht? Was ihnen die Sprache nimmt. Was sie für immer verwandelt. Und wie über die unsichtbare Kraft, die verhindert, dass sie daran zerbrechen?

Die Autorin gibt den Verwandelten ihre Stimmen zurück. Sie erfinden sich neu, wechseln Sprache und Land, überraschen sich selbst mit ihrem Mut, ihrem Humor, ihrer Kraft. Die Bedeutung von Familie verändert sich, Freiräume entstehen. Ein erschütternder Roman, bewegend, aufwühlend, zärtlich, klug.

Unser Gast, geboren 1962 in München, lebt gemeinsam mit ihrer Tochter als freie Schriftstellerin in Berlin und in Leipzig, wo sie seit 2018 das Deutsche Literaturinstitut Leipzig leitet. Der Weg zum Schreiben führte über ein 1981 in München begonnenes Jurastudium. Nach einem Stipendienjahr in Oxford wechselte Ulrike Draesner zu Anglistik, Germanistik und Philosophie und promovierte 1992 in Germanistischer Mediävistik.

  1. Adventsbegegnung in Kooperation mit POLONIKA am Donnerstag, den 4. Dezember 2025, 18.30 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, 37073 Göttingen

Die gemeinsam mit POLONIKA organisierte traditionelle Adventsbegegnung mit Beiträgen des deutsch-polnischen Projektchores unter der Leitung von Dorota Dobosz und von Diakon Wolfgang Ziehe zu Weihnachtsbräuchen findet am 4. Dezember wieder wie gewohnt in der Galerie Alte Feuerwache statt. Helfende Hände sind willkommen!

  1. „Antiukrainisch, antideutsch und antieuropäisch – Polens neue Mehrheit?“ mit Philipp Fritz, Korrespondent der WELT in Warschau, am Dienstag, den 9. Dezember 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, 37073 Göttingen

Das Thema reflektiert den Ausgang der Präsidentschaftswahlen vom 1. Juni 2025 bzw. die Wahlkampagne des neuen Präsidenten Karol Nawrocki und der ihn unterstützenden nationalkonservativen PiS. Ist die Schlussfolgerung aber auch stimmig? Das werden wir in einer Veranstaltungskooperation mit der federführenden Göttinger Europa-Union erfahren wollen.

Philipp Fritz, Jahrgang 1987, ist seit 2018 freier Korrespondent für die WELT in Warschau und zeichnet für Ostmitteleuropa zuständig. Zuvor war er Redakteur beim Osteuropa-Nachrichtenmagazin „n-ost“ in Berlin und als freier Journalist unter anderem für die Tageszeitung, die „Berliner Zeitung“, „Zeit“ oder die „Jüdische Allgemeine“ mit Schwerpunkten auf Osteuropa und Kulturthementätig. In seiner beruflichen Tätigkeit profitiert Fritz von einem Studium der Politikwissenschaft und der Kulturwissenschaft an der Universität Bremen und der Jagiellonen-Universität in Krakau.

  1. Dank für Spenden, Stipendienvergabe

Ein besonderer Dank gilt heute wieder allen Spenderinnen und Spendern. Für das leider in 2025 aufgrund der Absage der vorgesehenen Studentin entfallene Germanistikstipendium werden wir neue Ausschreibungskriterien entwickeln, um die Zielgruppe in Thorn zu vergrößern. Teilstipendien für Medizinstudierende vergeben wir hingegen ständig.

Auf ein baldiges Wiedersehen freut sich

Ihr

Harm Adam, Vorsitzender


Rundbrief 1. Halbjahr 2025 mit Einladung zur Mitgliederversammlung

27.12.2024

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der Göttinger DPG,

in diesen schwierigen Zeiten, in denen Putins russländische Mörderbanden selbst über Weihnachten nicht davor zurückschrecken, die ukrainische Zivilgesellschaft durch massive Angriffe auf den Energiesektor zu terrorisieren, müssen wir als Gesellschaft den schmalen Grat bewältigen, einerseits die richtigen europapolitischen Schwerpunkte zu setzen und andererseits an unserem Kurs festzuhalten, allen Generationen politische und kulturelle Bildung mit deutsch-polnischem Akzent zu vermitteln.

Außerdem müssen wir uns bemühen, nicht nur neue Mitglieder zu gewinnen, sondern Menschen zu motivieren, für einzelne Projekte oder im Vorstand Verantwortung zu übernehmen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund knapper finanzieller Ressourcen in Abhängigkeit von der immer wieder erfreulichen Großzügigkeit unserer Mitglieder.

Der nachfolgende Terminkalender für das erste Halbjahr 2025 ist eine Momentaufnahme und wird noch um Veranstaltungen an weiterführenden Schulen in Südniedersachsen und solchen, bei denen wir mit externen Partnern kooperieren, ergänzt:

  1. Videokonferenz zum Deutsch-Polnischen Barometer mit Dr. Agnieszka Łada-Konefał, stellvertretende Direktorin Deutsches-Polen Institut (DPI), am Dienstag, den 28. Januar 2025, 19 Uhr

Seit 25 Jahren werden regelmäßig die Ansichten von Polen und Deutschen über die gegenseitige Wahrnehmung, die deutsch-polnischen Beziehungen sowie deren aktuelle Herausforderungen erhoben und analysiert. Die Politikwissenschaftlerin Dr. Agnieszka Łada-Konefał begleitet das Projekt, das aktuell in Zusammenarbeit des Instituts für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau, der Konrad-Adenauer-Stiftung in Polen, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und des Deutschen Polen-Instituts verantwortet wird, schon seit vielen Jahren. So kann sie uns über Trends der wechselseitigen Wahrnehmung und Einstellungen zur Entwicklung Europas authentisch berichten.

Der Vortrag erfolgt in dem bewährten Format einer Videokonferenz, die keiner Voranmeldung bedarf. Der Link https://us02web.zoom.us/j/8718595858 kann gerne an Interessierte weitergegeben werden.

  1. Vortrag „Quo vadis – ein Roman schreibt Geschichte“ mit Dr. Matthias Kneip am Dienstag, den 13. März 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

„Quo vadis“ ist vielen Deutschen ein Begriff. Aus der Bibel, aus dem Kino, aus der Literatur.

Aber nur wenige verbinden mit „Quo vadis“ den Roman des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz, der 1905 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Während für Deutsche „Quo vadis“ vor allem mit der Verfolgung der Christen unter Kaiser Nero assoziiert wird, gilt der Roman in Polen auch als Schlüsselroman für die Teilungszeit Polens und die damit einhergehende Unterdrückung des katholischen Polens insbesondere im russisch besetzten Teil. Nach einem kurzen Einblick in Leben und Werk dieses Autors wird der Roman in Auszügen vorgestellt.

Matthias Kneip studierte Germanistik, Ostslawistik und Politologie an der Universität Regensburg. Seit 2000 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt tätig, darüber hinaus arbeitet er auch als Schriftsteller, Publizist und Polenreferent. Für sein Schaffen erhielt Kneip zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2011 den Kulturpreis Schlesien und 2012 das Verdienstkreuz der Republik Polen. Eine Schulveranstaltung ist für den Folgetag geplant.

  1. Mitgliederversammlung am Freitag, den 21. März 2025, 19 Uhr, Robert-Koch-Straße 2, 37075 Göttingen

Zu unserer Mitgliederversammlung (Jahreshauptversammlung) laden wir auf Freitag, den 21. März 2025, 19 Uhr, in die Bibliothek der Kanzlei Menge Noack Rechtsanwälte, Robert-Koch-Straße 2, 37075 Göttingen, ein.

Die Tagesordnung schlagen wir wie folgt vor:

1.   Eröffnung und Begrüßung sowie Feststellen der Beschlussfähigkeit

2.   Genehmigung der Tagesordnung und Wahl eines Protokollführers

3.   Mitgliederentwicklung und Begrüßung neuer Mitglieder

4.   Bericht des Vorsitzenden

5.   Bericht des Schatzmeisters

6.   Aussprache zu den Berichten

7.   Bericht der Kassenprüfer

8.   Entlastung des Vorstandes

9.   Anträge (Antragsfrist: 14. März 2025, schriftlich an den Vorstand)

10. Ausblick auf die Jahresplanung 2025/2026

12. Verschiedenes (Anfragen und Anregungen)

  1. Vortrag und Lesung „Ich habe eine Barrikade gebaut. Gedichte von Anna Świrszczyńska“ mit Prof. Dr. Peter Oliver Loew, Direktor Deutsches-Polen Institut, am Donnerstag, den 10. April 2025, Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, Göttingen

Anna Świrszczyńska, geboren 1909 in Warschau und gestorben 1984 in Krakau, gehört in Polen zu den bekanntesten Dichterinnen und Dichtern des 20. Jahrhunderts. 1974 erschien „Budowałam barykadę“ (Ich habe eine Barrikade gebaut), das 100 Gedichte versammelt, die sich auf den Warschauer Aufstand beziehen, der sich am 1. August 2024 zum 80. Mal jährte. Świrszczyńska erlebte die Zeit der Besatzung und des Aufstands als Sanitäterin.  Der Literatur-Nobelpreisträger Czesław Miłosz schrieb über den Gedichtband seiner Landsfrau: „Sowohl in der polnischen Dichtung als auch in der Weltliteratur nimmt dieser Band einen besonderen Platz ein, als poetische Reportage von einem Ereignis, das zu den großen Tragödien des 20. Jahrhunderts gehört.“

Unser Gast Prof. Dr. Peter Oliver Loew hat die Übersetzung in die deutsche Sprache besorgt und die Veröffentlichung im Secession Verlag initiiert. Loew studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Freien Universität Berlin Osteuropäische Geschichte, Slawistik und Volkswirtschaftslehre. Er promovierte zur lokalen Geschichtskultur Danzigs an der FU Berlin und habilitierte sich an der TU Dresden.

  1. Vortrag „Grenzüberschreitung, Grenzerfahrung und Entgrenzung in der zeitgenössischen polnischen Literatur“ mit Dr. Hans Christian Trepte am Donnerstag, den 8. Mai 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache

Der Leipziger Literaturwissenschaftler Dr. Hans Christian Trepte stellt sich in seinem Vortrag zentralen Themen und Motiven moderner literarischer Werke aus Polen und wird paradigmatische Beispiele aus den Werken von Andrzej Stasiuk, Joanna Bator, Szczepan Twardoch, Olga Tokarczuk und Tomasz Jedrowski beleuchten. Dabei stehen Aspekte wie die Überschreitung geographischer, kultureller und gesellschaftlicher Grenzen, die Erfahrung des Fremdseins sowie das Auflösen tradierter Identitätsvorstellungen im Mittelpunkt. Letztlich wirbt unser Gast dafür, Grenzüberschreitungen in einer zunehmend globalisierten und pluralistischen Welt nicht nur als Herausforderung, sondern auch und gerade als Chance für neue Perspektiven zu verstehen.

  1. „6. Göttingen-Thorner Gespräche“ vom 30. Mai bis 1. Juni 2025 in Thorn

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für unsere sechste Veranstaltungskooperation mit der Thorner Polnisch-Deutschen Gesellschaft bereits auf Hochtouren. Inhaltlich wollen wir uns in 2025 mit dem Beitrag der Zivilgesellschaft für gelingende deutsch-polnische Beziehungen befassen. Das haben wir für unsere Projektanträge im Arbeitstitel „Neue Perspektiven wagen – deutsch-polnischen Dialog neu denken: Potenziale und Impulse der Zivilgesellschaft“ zusammengefasst. Neben Diskussionsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik und den Medien wollen wir die Vielfalt des deutsch-polnischen Dialogs durch Einladungen an verschiedenste Organisationen zum Ausdruck bringen. Für all diejenigen, die die Seminarteilnahme mit einem verlängerten Aufenthalt in Göttingens Partnerstadt oder anderswo in Polen verbinden wollen, ist das Himmelfahrtswochenende ideal.

Reservierungen zur Teilnahme können bereits jetzt bei mir erfolgen. Die finanziellen Bedingungen werden sich an denen der Vorjahre orientieren. Mithin soll gegen einen geringen Teilnahmebeitrag für freie Kost und Logis gesorgt werden. Ein Fahrtkostenzuschuss zur individuellen Anreise – vorzugsweise in Fahrgemeinschaften als Gruppe mit der Bahn oder dem Pkw – ist geplant.

  1. Vortrag „Entwicklungspotentiale von Migration/Emigration – zur (Un-) Sichtbarkeit der Polonia“ mit Dr. habil. Brygida Helbig am Donnerstag, den 12. Juni 2025, 19 Uhr, Galerie Alte Feuerwache

Mit unserer Referentin Dr. habil. Brygida Helbig (manchmal auch: Brigitta Helbig-Mischewski, Künstlername: Anna Maria Birkenwald) begrüßen wir eine in Berlin lebende zweisprachige Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, die bis 2021 als Professorin der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen lehrte und seit 2023 u.a. die Geschäftsstelle der Polonia in Berlin leitet.

Die Geschäftsstelle der Polonia ist 2011 auf der Grundlage eines bilateralen Abkommens zwischen der polnischen und der deutschen Regierung sowie der polnischen Gemeinschaft in Deutschland und der deutschen Minderheit in Polen („runder Tisch“) entstanden und widmet sich der Vernetzung von Aktivitäten der Polonia, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Helbig schreibt folgerichtig, dass es für viele „ältere“ Emigrantinnen und Emigranten zum Alltag in der deutschen Gesellschaft gehörte, die polnische Identität zu „verstecken“. Sie plädiert: „Jetzt aber können und wollen wir uns zeigen – mit dem kulturellen Mehrwert, den wir in die Gesellschaft einbringen.“ Unsere stellvertretende Vorsitzende Klaudia Hanisch übernimmt die Moderation der sich anschließenden Diskussion.

Den Rundbrief versende ich zur Vermeidung erhöhter Portokosten noch im alten Jahr 2024.

Auf ein baldiges und möglichst zahlreiches Wiedersehen freut sich

Ihr

Harm Adam, Vorsitzender

Deutsch-Polnische Gesellschaft Göttingen e.V.

Harm Adam, Vorsitzender

Osterberg 16

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Tel.:  +49-173-2917006 (mobil)

Mail: mail@dpg-goettingen.de

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